Der Antrag per SMS

Bei der ersten Generation der Handynutzer galt es noch als unschicklich, sehr persönliche Dinge per SMS zu sagen. Wer z. B. eine Beziehung mit einer SMS beendet oder so einen Termin absagt, gilt als feige und unhöflich. Doch für die neue Generation der Handybesitzer, die praktisch mit den mobilen Telefonen aufgewachsen sind und schneller SMS tippen können als man „Hallo“ sagen kann, gibt es keine Tabus beim Simsen. Sie haben sogar eine eigene SMS-Sprache entwickelt, bei der bestimmte Sätze nur noch aus den Anfangsbuchstaben der Wörter bestehen.

Da würde ein Hochzeitsantrag ungefähr so lauten: MDMFW? – Möchtest Du Meine Frau Werden? Oder WDMH? – Willst Du Mich Heiraten? Das mag vielleicht nicht sehr romantisch klingen, doch seinen Zweck erfüllt es allemal. Zumal man diesen Heiratsantrag zum Zwecke späterer Beweisführung dann auch schriftlich hat oder sich mit der Antwort ruhig ein paar Minuten, Stunden, Tage oder Wochen Zeit nehmen kann, weil man erst noch seinen Lüneburger Heide Urlaub genießen möchte.

Für SMS-Liebhaber ist es auch ganz normal, keine herkömmlichen Hochzeit Einladungskarten, sondern SMS-Einladungen zu versenden. Vor allem, wenn es sich um eine kurzfristige und spontane Hochzeit handelt, ist das die sicherste Lösung, damit jeder noch von der Hochzeit erfährt.

Besonders häufig entschließt man sich auf diese Art zur Hochzeit in Hannover, wo statistisch gesehen am meisten in Deutschland gesimst wird. Zwischen dem „Guten Morgen“ und dem „Gute Nacht“ per SMS verschickt jeder Hannoveraner durchschnittlich 8 SMS am Tag. Da gehört es fast schon zum guten Ton, auch einen Heiratsantrag per SMS zu bekommen.

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